Ein kranartiger Anbau öffnet ein Arbeiterhaus von 1911 in Winterthur zum Garten. Mauerwerk, Holz und Stahl übernehmen je eine eigene Aufgabe im Tragwerk, und jedes Bauteil bleibt trennbar.
Das 1911 als Arbeiterhaus erbaute und später als grosszügige Stadtvilla genutzte Haus an der Gustavstrasse ist für seine nächste Lebensphase vorbereitet. Gefragt war flexibles Wohnen: zwei Wohnungen mit gemeinsamen Räumen, die sich zu drei oder vier Einheiten umbauen lassen. Eine zweite, aussen am Haus hängende Treppe schafft neue Verbindungen zwischen den Geschossen, und ein kranartiger Anbau ragt in den Garten und öffnet das Haus zu den Baumkronen.
Gemeinsam mit Stefan Wülser + entwickelte co-struct ein hybrides Tragwerk, in dem jedes Material eine eigene Aufgabe übernimmt. Eine Wand aus tragenden, wärmedämmenden Ziegeln trennt das Haus vom Nachbargrundstück und stützt es seitlich ab. Die kranartige Stahlkonstruktion ist im Bestand verankert und trägt auf jedem Geschoss ein anderes Element: Im zurückversetzten Erdgeschoss verbinden zwei Holzträger Innen und Aussen, das erste Obergeschoss kragt zu den Bäumen hin aus, und die oberste Ebene ruht auf einem geneigten Stahlträger, der gelenkig an das bestehende Dach anschliesst. Die Aussentreppe ist abgehängt und mit einem Stahlseil verankert; so verbindet sie die Geschosse, ohne Gartenfläche zu beanspruchen.
Stützen, Kragträger und die abgehängten Aluminiumfassaden sind als eigenständige Bauteile mit mechanischen Verbindungen konzipiert. Jedes Bauteil hat ein eigenes Fundament, was die Eingriffe in den Boden gering hält, und alle Elemente lassen sich später demontieren und wiederverwenden. co-struct war für die Tragwerksplanung dieses 2026 fertiggestellten Direktauftrags verantwortlich.









